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Apotheken-News: Rekordbetrug, Reformstau und Steuerlast belasten Apotheken und das Gesundheitssystem dauerhaft

Milliardenschäden durch Abrechnungsbetrug, wirtschaftliche Notlagen, fehlende Strukturreformen und die Debatte um eine Mehrwertsteuersenkung zeigen den tiefen Reformbedarf im deutschen Gesundheitswesen

(PresseBox) (Karlsruhe, )
Die Apothekenbranche steht unter massivem Druck: Während eine Mehrwertsteuersenkung auf Arzneimittel Hoffnung auf finanzielle Entlastung macht, offenbaren neue Betrugsfälle systemische Kontrolllücken im Gesundheitswesen. Ein Rekordschaden von über 200 Millionen Euro, darunter ein Millionenbetrug in der Wundversorgung, belastet das Vertrauen in die Leistungserbringer. Parallel warnt eine internationale Studie vor dramatischen Versorgungsdefiziten bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen weltweit. In Deutschland geraten Apotheken zudem durch unzureichende Reformvorschläge, wirtschaftliche Schieflagen und ungelöste Digitalisierungsprobleme zunehmend ins Straucheln. Ein Beispiel aus Nordrhein-Westfalen zeigt, wie selbst modernisierte Betriebe in die Insolvenz geraten. Derweil stärkt ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs den freien Berufen den Rücken und schränkt Investorenzugriffe ein – ein Signal auch an die Apothekenpolitik. Der Ruf nach strukturellem Neustart wird lauter, nicht nur aus den Reihen von Ärzten und Apothekern, sondern auch angesichts wachsender Verteilungsdebatten im Kassensystem. Die Lage ist ernst: Es geht längst nicht mehr nur um einzelne Maßnahmen, sondern um das Fundament der Versorgung und das Vertrauen in ein System, das ins Wanken geraten ist.

Die Diskussion über eine mögliche Senkung der Mehrwertsteuer auf Arzneimittel gewinnt in Deutschland zunehmend an Dynamik. Während Güter des täglichen Bedarfs wie Lebensmittel und Zeitungen mit einem reduzierten Satz von 7 Prozent besteuert werden, unterliegen Medikamente weiterhin dem regulären Satz von 19 Prozent. Diese Ungleichbehandlung sorgt in Fachkreisen und der Öffentlichkeit für zunehmende Irritation. Gesundheitsexperten und Apothekenverbände argumentieren, dass Arzneimittel essenziell für das Gemeinwohl seien und daher ebenfalls von einer steuerlichen Entlastung profitieren sollten. Eine Senkung der Mehrwertsteuer könnte nicht nur die finanzielle Belastung für Verbraucher reduzieren, sondern auch den wirtschaftlich angeschlagenen Apotheken eine dringend benötigte Erleichterung verschaffen. Gleichzeitig warnen Kritiker vor möglichen Einnahmeausfällen für den Staat und verweisen auf die Komplexität der Umsetzung sowie die Gefahr, dass Kostenvorteile nicht bei den Patienten ankommen.

Parallel dazu gerät das Vertrauen in das Gesundheitssystem durch spektakuläre Betrugsfälle zunehmend unter Druck. Laut aktuellen Auswertungen hat der Schaden durch Abrechnungsbetrug in den Jahren 2022 und 2023 mit mehr als 200 Millionen Euro einen neuen Höchststand erreicht. Besonders häufig betroffen sind Apotheken, die nach der Schadenshöhe an der Spitze aller Leistungserbringer im System stehen. Die Delikte reichen von systematisch manipulierten Rezeptabrechnungen bis hin zu unrechtmäßigen Abrechnungen nicht erbrachter Leistungen. Besonders brisant ist ein Fall im Bereich der Wundversorgung, bei dem über mehrere Jahre hinweg rund 86 Millionen Euro unrechtmäßig abgerechnet wurden. Allein 37 Millionen Euro konnten gesichert werden, der größte Teil entfällt auf einen einzigen Anbieter, der neben Krankenkassen auch einen Unternehmensnachfolger täuschte. Die Ermittlungsbehörden sehen darin ein Musterbeispiel für kriminelle Energie und Organisationsversagen in der Kontrolle.

Unterdessen sorgt ein Grundsatzurteil des Europäischen Gerichtshofs für Aufmerksamkeit über die Gesundheitsbranche hinaus. Mit seiner Entscheidung vom 19. Dezember 2024 erklärte der EuGH das Beteiligungsverbot reiner Finanzinvestoren an Rechtsanwaltsgesellschaften für mit dem Unionsrecht vereinbar. Der Gerichtshof betonte, dass nationale Vorschriften, die dem Schutz der Unabhängigkeit freier Berufe dienen, Vorrang gegenüber der Niederlassungsfreiheit haben dürfen. Die Entscheidung könnte weitreichende Folgen für andere Berufsgruppen wie Apotheker, Ärzte oder Steuerberater haben, bei denen Investorenmodelle in den vergangenen Jahren ebenfalls an Bedeutung gewonnen haben. Für viele in der Branche ist das Urteil ein Signal zur Rückbesinnung auf berufsständische Kernwerte und ein Dämpfer für rein renditegetriebene Marktmechanismen.

In der Zwischenzeit wächst der Druck auf die Politik, strukturelle Reformen im Gesundheitswesen umzusetzen. In einem gemeinsamen Appell warnten Ärzte- und Apothekerverbände vor einer fortschreitenden Erosion zentraler Versorgungseinrichtungen. Sie bezeichneten das Gesundheitswesen als „Stabilitätsanker unserer Demokratie“ und mahnten mehr politischen Willen zu strukturellen Veränderungen an. Kritiker werfen dem Appell eine dramatisierende Wortwahl vor, doch die Grundproblematik ist unstrittig: Die Überlastung von Praxen und Apotheken, der Personalmangel sowie steigende bürokratische Anforderungen gefährden zunehmend die flächendeckende Versorgung.

Ein weiterer Brennpunkt liegt in der wirtschaftlichen Lage zahlreicher Apotheken. Die zuletzt angekündigte Erhöhung des Fixums auf 9,50 Euro wird von der Freien Apothekerschaft als völlig unzureichend kritisiert. Zwar erkennen die Vertreter an, dass einige ihrer Forderungen im Koalitionspapier Beachtung fanden, doch zentrale Punkte wie ein Versandverbot für verschreibungspflichtige Arzneimittel oder das Verbot von Bestellplattformen blieben gänzlich außen vor. Diese Maßnahmen seien jedoch essenziell, um die Existenz der Vor-Ort-Apotheken langfristig zu sichern und den Verbraucherschutz zu stärken. Hinzu kommt, dass trotz punktueller Unterstützung viele Apotheken strukturell unterfinanziert bleiben, was sich zunehmend in wirtschaftlichen Schieflagen äußert.

Ein besonders eindrückliches Beispiel für die Folgen zeigt sich im Fall einer Apothekerin aus Nordrhein-Westfalen, die nach dem Erwerb von vier Apotheken umfassend investierte und dennoch in die Insolvenz in Eigenverwaltung gehen musste. Die anfangs positive Entwicklung wurde durch die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie, massive Lieferengpässe und Probleme bei der Einführung des elektronischen Rezepts empfindlich gestört. Die Eigenverwaltung ermöglichte zwar eine Fortführung des Betriebs unter Aufsicht, machte jedoch die tiefgreifenden finanziellen Risiken deutlich, denen viele Apothekeninhaber derzeit ausgesetzt sind.

Gleichzeitig rückt der Versicherungsschutz für Apotheken stärker in den Fokus. In Zeiten rasanter technologischer Veränderungen, zunehmender Cyberrisiken und wachsender regulatorischer Anforderungen wird ein anpassungsfähiges Risikomanagement zum strategischen Eckpfeiler. Experten betonen die Notwendigkeit einer individuellen Analyse der Risiken und passgenauer Versicherungslösungen – von der Allgefahren-Deckung über Cyber-Policen bis hin zu Vertrauensschaden- und Rechtsschutzversicherungen. Gerade in einem sensiblen Bereich wie dem Gesundheitswesen kann ein umfassender Versicherungsschutz zur Stärkung des Patientenvertrauens und zur Absicherung der betrieblichen Existenz beitragen.

Indes stößt auch der jüngste Vorschlag der Arbeitsgruppe „Pflege und Gesundheit“ auf geteilte Reaktionen. Der BKK Dachverband kritisierte insbesondere die geplante Angleichung der Gehälter von Krankenkassenmitarbeitern an den öffentlichen Dienst scharf. In einer Zeit wirtschaftlicher Unsicherheit sende dies das falsche Signal und schüre eine Neiddebatte, so der Verband. Die Diskussion über Verteilungsgerechtigkeit und Effizienz im System gewinnt damit erneut an Brisanz.

Abseits der nationalen Debatten weist eine internationale Langzeitstudie auf ein globales Versorgungsdefizit bei kardiovaskulären Erkrankungen hin. Kombinationspräparate zur Sekundärprävention von Herzinfarkten und Schlaganfällen könnten weltweit Millionen Menschenleben retten, doch in vielen Ländern – vor allem mit niedrigem und mittlerem Einkommen – ist der Zugang zu diesen Medikamenten stark eingeschränkt. Die Studie, die über zwölf Jahre Daten aus 17 Ländern auswertete, zeigt ein klares Versäumnis der internationalen Gesundheitspolitik. Die Erkenntnis: Auch wirksame Medikamente bleiben nutzlos, wenn sie nicht bei den Patienten ankommen.

Insgesamt zeichnet sich ein vielschichtiges Bild ab: Zwischen Reformstau, strukturellen Risiken, wirtschaftlichem Druck und wachsendem Misstrauen sehen sich Apotheken, Krankenkassen und Patienten gleichermaßen mit wachsenden Herausforderungen konfrontiert. Die politische Handlungsfähigkeit wird auf eine harte Probe gestellt – ebenso wie die Widerstandskraft der Institutionen, auf denen das deutsche Gesundheitswesen bisher ruhte.

Kommentar:

Das deutsche Gesundheitswesen steht an einem Wendepunkt – und mit ihm die Apotheken. Die parallelen Entwicklungen der letzten Monate sprechen eine eindeutige Sprache: Während auf der einen Seite strukturelle Defizite und wirtschaftlicher Druck zunehmen, verliert das System auf der anderen Seite an Vertrauen und Integrität. Der Ruf nach einer Mehrwertsteuersenkung auf Arzneimittel ist dabei weit mehr als ein steuerpolitisches Detail – er ist ein Symbol für das Missverhältnis zwischen politischer Prioritätensetzung und gesellschaftlicher Realität. Medikamente sind keine Luxusgüter, sondern existenzielle Bestandteile der Daseinsvorsorge. Wer sie weiterhin mit dem vollen Steuersatz belegt, verkennt die soziale Dimension der Gesundheitsversorgung.

Gleichzeitig droht das System durch Betrugsfälle und ineffiziente Kontrolle an Glaubwürdigkeit zu verlieren. Wenn Apotheken in der Statistik der Abrechnungsdelikte ganz oben stehen, dann darf das nicht pauschal diskreditiert, aber auch nicht relativiert werden. Es ist eine Mahnung zur Stärkung der Aufsicht, nicht zur Pauschalverurteilung. Ebenso bedenklich ist, dass selbst engagierte Apothekerinnen nach Investitionen und Modernisierung durch strukturelle Hemmnisse wie das schleppende E-Rezept oder Lieferengpässe in die Insolvenz gedrängt werden. Wenn der Staat auf der einen Seite Digitalisierung erzwingt, muss er auf der anderen Seite auch sicherstellen, dass die nötigen Voraussetzungen funktionieren.

Das EuGH-Urteil zur Unabhängigkeit freier Berufe ist in diesem Zusammenhang ein leuchtendes Beispiel für klare Haltung: Es erinnert daran, dass Berufe mit besonderer Verantwortung keinen Investoreninteressen untergeordnet werden dürfen. Diese Haltung fehlt der Bundespolitik im Umgang mit der Apothekenlandschaft zu oft. Das Feilschen um Fixbeträge, während Versandhandel und Plattformökonomie ungehindert expandieren, lässt eine ganze Branche im Unklaren, worauf sie bauen darf.

Auch auf internationaler Ebene offenbaren Studien zum Zugang zu lebenswichtigen Medikamenten, dass wirtschaftliche oder bürokratische Hürden im Ernstfall tödlich sein können. Der Anspruch, Gesundheit als Menschenrecht zu begreifen, darf nicht nur Rhetorik bleiben – weder in ärmeren Ländern noch vor der eigenen Haustür. Wenn Kombinationspräparate gegen Herztod vorhanden, aber nicht zugänglich sind, ist das kein Mangel an Wissenschaft, sondern an politischem Willen.

Was wir brauchen, ist ein glaubwürdiger Neuanfang. Nicht durch Einzelmaßnahmen, sondern durch ein neues Grundverständnis davon, was Gesundheitsversorgung leisten soll: wohnortnah, gerecht, wirtschaftlich stabil und vor allem menschlich. Dazu gehört ein echter Schutzschirm für Apotheken ebenso wie eine Debatte ohne Neid, Schuldzuweisung und Symbolpolitik. Denn ein Gesundheitssystem, das an allen Fronten wankt, gefährdet weit mehr als nur das Wohl seiner Patienten – es gefährdet das Vertrauen in den sozialen Zusammenhalt selbst.

Von Engin Günder, Fachjournalist

ApoRisk GmbH

Die ApoRisk® GmbH ist ein Versicherungsmakler und seit vielen Jahren Spezialist für Risiken der Apothekerinnen und Apothekern. Das Maklerunternehmen ist in der Apothekenbranche erfahren und unabhängig. Das Direktkonzept über die Internetportale aporisk.de und pharmarisk.de spart unseren Kunden viel Geld. Diese Ersparnis kommt dem hohen Wert und dem fairen Preis der Policen zugute.

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